Legal Tech Master

Legal Tech studieren – sechs Masterstudiengänge für technikaffine Juristinnen und Juristen

In der klassischen Juristenausbildung spielen Themen wie Künstliche Intelligenz, Legal Tech und Algorithmen noch eine untergeordnete Rolle. Die steigenden Anforderungen an die Digitalkompetenz und das digitale Verständnis von Nachwuchstalenten haben jedoch bereits einige Universitäten dazu veranlasst, neue interdisziplinäre Studiengänge ins Leben zu rufen. Juristinnen und Juristen, die ein Masterstudium an der Schnittstelle zur Informatik ins Auge fassen, können bereits heute zwischen einigen interessanten Angeboten wählen. Wir haben sechs Legal Tech-Masterstudiengänge in diesem Beitrag unter die Lupe genommen.

1. LL. M. Legal Tech (Universität Regensburg)

Der an der Universität Regensburg angebotene Masterstudiengang Legal Tech hat den Anspruch, den Studierenden einen Überblick im Bereich Legal Tech zu vermitteln, um die Digitalisierung in der Rechtsbranche in all ihren Facetten verstehen zu können. Der LL. M. Legal Tech behandelt daher Themen wie Big Data, Künstliche Intelligenz, Smart Contracts, Chatbots, Alternative und Online Dispute Resolution, rechtliche und technische Einordnung von Algorithmen, Cybercrime, IT- und IP-Recht, Verbraucherschutz, E-Commerce, FinTech, Arbeitsrecht und natürlich Datenschutz.

Neben der Entwicklung eigener Geschäftsmodelle zur Erschließung innovativer juristischer Betätigungsfelder werden durch Programmierübungen in Kleingruppen Kenntnisse in der Entwicklung und Anwendung juristischer Software vermittelt.

Absolvent Alessandro Corominas-Wittmann, der sich auf die Beratung von Kanzleien in der digitalen Mandanten- und Personalgewinnung spezialisiert hat, schätzt vor allem die Verbindung von wissenschaftlich fundiertem Fachwissen mit dem für den beruflichen Alltag entscheidenden Praxisbezug:

Sie werden zwar nicht innerhalb von drei Tagen zum Informatiker oder zur Informatikerin. Dennoch erlangen Sie ein grundlegendes Verständnis auch in diesem Bereich und können sogar ein kleines Programm, wie einen Chatbot selbst „coden“.

Das Studium gliedert sich in neun Module, die hier eingesehen werden können.

Für wen ist der Studiengang geeignet? Studierende müssen das Erste oder Zweite Staatsexamen mit einer Punktzahl von mindestens 5,5 absolviert haben – oder aber die Juristische Prüfung (Gesamtnote von Staats- und Universitätsprüfung). Alternativ kann ein gleichwertiger Abschluss mit einer Regelstudienzeit von mindestens acht Semestern nachgewiesen werden. Außerdem müssen die Studierenden mindestens ein Jahr lang berufspraktische Erfahrung gesammelt haben. Darüber hinaus wird die studiengangsspezifische Eignung in einem Eignungsfeststellungsverfahren nachgewiesen.

Regelstudienzeit: zwei Semester zzgl. Masterarbeit

Kosten: Bei einer Regelstudienzeit von zwei Semestern betragen die Studiengebühren insgesamt 9.980 Euro (zzgl. Semesterbeitrag der Uni Regensburg von ca. 170 Euro pro Semester).

Mehr Informationen zum Studiengang: legaltech-ur.de/ueberblick-llm-legal-tech//

2. LL. M. Recht der Digitalisierung (Universität zu Köln)

Der LL. M. Recht der Digitalisierung der Universität zu Köln möchte Juristinnen und Juristen auf Herausforderungen und Chancen der digitalen Transformation vorbereiten. Der Studiengang vermittelt Grundlagen zu Algorithmen und Logik, der Funktionsweise des Internets, des Datenschutzes und Künstlicher Intelligenz sowie vertieftes Wissen zum Wirtschafts-, Wettbewerbs- und Medienrecht. Dabei wird in einer kleinen Gruppe studiert und führende Praktiker:innen werden eingebunden, etwa aus Start-ups oder der Justiz. Weitere Fragen zum Studiengang werden auch in einem FAQ beantwortet.

Das Studium berufsbegleitend zu absolvieren ist bedingt möglich, aber es handelt sich nicht um einen klassisch berufsbegleitenden Studiengang.

Prof. Dr. Markus Ogorek (LL. M.) sagt über den Studiengang:

„Der von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Köln angebotene Masterstudiengang verfolgt das erklärte Ziel, einen Überblick über die Digitalisierung des Rechts zu geben. Gleichzeitig wird er in bestimmten, von den Studierenden gewählten Bereichen eine konsequente Spezialisierung ermöglichen, die die klassische juristische Ausbildung ergänzt und neue Berufschancen eröffnet.“

Für wen ist der Studiengang geeignet? Der Master richtet sich an Absolventinnen und Absolventen eines rechtswissenschaftlichen Studiengangs. Angesprochen sind damit Juristinnen und Juristen nach der Ersten Prüfung oder dem Zweiten Staatsexamen sowie jene, die einen rechtswissenschaftlichen Bachelorabschluss mit einer ECTS-Punktzahl von mindestens 240 vorweisen können.

Regelstudienzeit: Zwei Semester (Vollzeit).

Kosten: Studiengebühren sind nicht zu zahlen. Es fallen lediglich die allgemeinen Semesterbeiträge an, die sich auf ca. 300 – 400 Euro pro Semester belaufen.

Mehr Informationen zum Studiengang: https://legal-tech.de/ll-m-recht-der-digitalisierung-universitaet-koeln/

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3. LL. M. Rechtsinformatik (Universität Passau)

Der einjährige Masterstudiengang Rechtsinformatik wird erstmals im Sommersemester 2023 an der Universität Passau angeboten. Durch die Einbindung von Lehrenden aus der juristischen Praxis soll er den Studierenden einen hohen Praxisbezug bieten. Denn neben der Vermittlung der Fachterminologie und der technischen Grundlagen von Softwareentwicklung, IT-Sicherheit und Co. werden auch Kompetenzen in der Beratung von Fällen mit Digitalisierungsbezug vermittelt. Darüber hinaus lernen die Studierenden, Automatisierungsprozesse in juristischen Tätigkeitsfeldern selbst zu initiieren und zu begleiten.

Im Studienjahrgang 2024/2025 konnten alle Veranstaltungen des Studiengangs auch als Live-Stream per Zoom verfolg werden. Alle prüfungsrelevanten Gastvorträge von Referent:innen werden ausschließlich live online angeboten und finden in den Abendstunden statt, um auch Berufstätigen die Möglichkeit zur Teilnahme zu ermöglichen.

Für wen ist der Studiengang geeignet? Der Studiengang eignet sich für Personen, die sich beispielsweise eine Tätigkeit als Legal Engineer vorstellen können. Aber auch darüber hinaus ist der LL. M. eine nützliche und gefragte Zusatzqualifikation in anderen Bereichen. Mathematische oder technische Kenntnisse sowie Berufserfahrung sind für den Masterstudiengang nicht erforderlich. Voraussetzung ist ein juristisches Studium (Staatsexamen oder Bachelor).

Regelstudienzeit: zwei Semester

Kosten: Für das Studium werden keine zusätzlichen Gebühren fällig. Fällig wird nur der allgemeine Semesterbeitrag in Höhe von aktuell 118,50 Euro.

Mehr Informationen zum Studiengang: uni-passau.de/rechtsinformatik/

4. LL. M. Digitalization and Law (Julius-Maximilians-Universität Würzburg)

Seit dem Wintersemester 2022/2023 bietet die Juristische Fakultät der Uni Würzburg den neuen berufsbegleitenden Masterstudiengang Digitalization and Law an. Dieser soll dort ansetzen, wo die allgemeine juristische Ausbildung in Bezug auf den technischen Fortschritt an ihre Grenzen stößt: Er vermittelt rechtsübergreifende Kenntnisse in den Bereichen IT-Recht, Legal Tech, Künstliche Intelligenz, Informatik und Datenschutzrecht. Ein hoher Praxisbezug soll dadurch gewährleistet werden, dass nicht nur Professorinnen und Professoren, sondern auch erfahrene Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte die Lehrveranstaltungen durchführen. Wer den Masterstudiengang absolviert, erwirbt übrigens zwei Titel auf einmal: den akademischen Grad „Master of Laws“ (LL.M.) sowie eine Bescheinigung über den theoretischen Teil des Fachanwalts für Informationstechnologierecht, § 14k FAO.

Die Lehrveranstaltungen finden in englischer Sprache und in Präsenz statt.

Zu den Pflichtmodulen gehören u. a. die Fächer Einführung in die Informatik und Maschinenethik. Pflichtmodule sowie Wahlpflichtmodule können hier eingesehen werden. Einblicke in den Studiengang gibt auch Said Kalay in seinem Erfahrungsbericht zum LL. M. Digitalization and Law. 

Für wen ist der Studiengang geeignet? Der Studiengang richtet sich an Absolventinnen und Absolventen juristischer Studiengänge und nicht-juristischer Studiengänge, die juristische Grundkenntnisse vermitteln. Interessierte sollten mindestens ein Jahr lang berufspraktische Erfahrung gesammelt haben. Zudem richtet sich der Studiengang an Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die den Fachanwalt IT-Recht zur beruflichen Weiterbildung anstreben.

Regelstudienzeit: drei Semester

Kosten: Die Studiengebühren betragen 2500 Euro pro Semester. Bei einer Regelstudienzeit von drei Semestern fallen somit Studiengebühren in Höhe von insgesamt 7500 Euro an. Hinzu kommt pro Semester der Semesterbeitrag der Universität Würzburg, der derzeit 168,50 Euro beträgt.

Mehr Informationen zum Studiengang: jura.uni-wuerzburg.de/ll.m./ 

5. LL. M. Informationstechnologie und Recht (Universität des Saarlands)

Der Masterstudiengang Informationstechnologie und Recht der Universität des Saarlandes bietet eine interdisziplinäre Ausbildung an der Schnittstelle von Recht und Informationstechnologie. Da sich der Studiengang an Absolventinnen und Absolventen aller Fachrichtungen richtet, treffen beispielsweise Studierende der Rechtswissenschaften und der Informatik aufeinander und werden von Expertinnen und Experten aus beiden Bereichen unterrichtet.

Seit dem Wintersemester 2020/2021 kann der Studiengang weitgehend online studiert werden. Er kann auch berufsbegleitend studiert werden.

Bei den Pflichtmodulen wird je nach Vorbildung entweder der Bereich „Grundlagen des Rechts" oder der Bereich „Grundlagen der Informatik" gewählt - letzterer richtet sich natürlich an Studierende, die ein juristisches Studium absolviert haben. Darauf folgen vier Wahlpflichtmodule: Hier haben die Studierenden die Qual der Wahl. Eine Übersicht über die Wahlpflichtmodule gibt es hier.

Anna Günzel, die den Masterstudiengang absolviert hat, schätzt vor allem den Einblick in die Sichtweise der Berufsgruppe, die künftig zu ihrer Mandantschaft gehören wird:

„Um Mandantinnen und Mandanten im IT- und Datenschutzrecht weiterhelfen zu können, muss ich verstehen, wie deren Software funktioniert und welche Ziele sie damit verfolgen. Der Master-Studiengang befähigt mich nicht dazu, die Programme vollends und detailliert zu verstehen, hat mir aber einen Einblick in die Arbeits- und Denkweise von Entwicklern gegeben, was für die rechtliche Beurteilung von Projekten sehr hilfreich ist. Besonders toll fand ich, dass der Studiengang fachübergreifend belegt wurde. So haben Informatikerinnen und Informatiker auch in rechtlichen Veranstaltungen Ihre Sichtweisen und Praxiserfahrungen eingebracht, was einen wertvollen Austausch zwischen den Fachgebieten ermöglicht hat und total spannend war.“

Regelstudienzeit: zwei Semester (Vollzeit), auch als Teilzeitstudium ausbildungs- oder berufsbegleitend möglich.

Für wen ist der Studiengang geeignet? Der LL. M.-Studiengang richtet sich an Juristinnen und Juristen sowie an Absolventinnen und Absolventen anderer Fachrichtungen, z. B. der Informatik. Da aus einer Vielzahl von Modulen gewählt werden kann, eignet sich der Studiengang für alle, die an der Schnittstelle zwischen Informatik und Recht arbeiten wollen.

Kosten: Die Studiengebühren betragen 4.950 Euro für ein einjähriges Vollzeitstudium. Bei einem Teilzeitstudium kommt ab dem dritten Semester fällt eine Gebühr von 600 Euro an. Zusätzlich zu den Studiengebühren ist ein Semesterbeitrag an das Studentensekretariat zu entrichten.

Mehr Informationen zum Studiengang: rechtsinformatik.saarland/de/studium-und-weiterbildung/llm-it-und-recht

6. Onlinestudium Master Legal Tech (Hochschule Wismar)

Das Onlinestudium Master Legal Tech an der Hochschule Wismar hat zum Ziel, Fachleute auszubilden, die Legal Tech-Anwendungen wie Legal Bots, Dokumentengeneratoren und Smart Contracts in Kanzleien bedienen und anpassen können. Das Studium vereint dabei die beiden Fachrichtungen Jura und Informatik. Es werden grundlegende Programmierkenntnisse sowie Fragestellungen des Wirtschaftsrechts und der Informatik thematisiert. Dabei werden auch eigene Legal Tech-Projekte entwickelt und umgesetzt.

Alle Veranstaltungen des Masterstudiengangs finden online statt. Das Studienkonzept setzt sich aus flexiblem Selbststudium via Lernplattform und App, Prüfungen und der persönlichen Studienbetreuung zusammen. Das Studium kann berufsbegleitend absolviert werden.

Für wen ist der Studiengang geeignet? Der Studiengang richtet sich nicht nur an Interessierte mit einer klassischen juristischen Ausbildung. Voraussetzung für die Zulassung zum Masterstudium ist ein erster Hochschulabschluss einer nationalen oder internationalen Hochschule im Fachbereich Wirtschaftsrecht sowie mindestens ein Jahr einschlägige Berufspraxis.

Regelstudienzeit: vier Semester

Kosten: Es fallen kosten von 2.950 Euro pro Semester an.

Mehr Informationen zum Studiengang: https://www.wings.hs-wismar.de/de/fernstudium_master/legal_tech/

Möchten Sie sich auch ohne Master im Bereich Legal Tech weiterbilden? Hier finden Sie eine Übersicht mit Legal Tech-Fortbildungen. 

Bild: Adobe Stock/©BalanceFormCreative
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