Schweitzer Zukunftsforum 2024: KI ist das neue Legal Tech

Das Schweitzer Zukunftsforum 2024 stand ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz und ihrer wachsenden Bedeutung im Bereich Legal Tech. Souverän moderiert von Pia Löffler trafen sich Expertinnen und Experten aus Justiz, Anwaltschaft und Legal Tech-Branche, um die neusten Entwicklungen und Trends zu diskutieren. Hier ein Einblick aus drei der Vorträge.

Patrick Prior: Wo steht Legal Tech heute?

Getreu der Tradition eröffnete Patrick Prior das Zukunftsforum mit seinem jährlichen Vortrag zum Thema „Wo steht Legal Tech heute?“. Wohin sind ein Jahr nach dem ChatGPT-Hype Investitionen geflossen? Das Jahr war geprägt von Übernahmen: Mit der Übernahme von Legal One durch Rightmart entstand so das größte Anwenderunternehmen für Legal Tech. Westernacher Solutions übernahm das Start-up Justin Legal und eagle lsp das Berliner KI-Start-up Progius. Gleichzeitig konnte das Start-up JUPUS eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,3 Mio. Euro abschließen.

Bei all dem Wachstum von KI-Systemen und Verbraucherunternehmen kommt auch immer wieder die Frage auf: Bedroht das die Anwaltschaft und macht sie vielleicht sogar überflüssig? Prior zitierte hier den CEO der Tech-Investmentgesellschaft Geoff Lewis, der behauptete, man solle künftig besser einen Beruf als Handwerker anstreben als Jura zu studieren:

Abb. 1: Ist Jura studieren noch sinnvoll?

Google-CEO Sundar Pichai vertrete hingegen die Meinung, dass die Arbeit von Anwältinnen und Anwälten durch KI sogar attraktiver wird und es langfristig mehr von ihnen geben wird.

Einsatz von KI in der Justiz

Richterin Isabelle Biallaß zeigte am Nachmittag des ersten Veranstaltungstages auf, in welchen Bereichen der Justiz KI gewinnbringend eingesetzt werden kann. Lösungen seien vor allem deshalb notwendig, weil die Justiz nicht nur im richterlichen Bereich mit Personalmangel zu kämpfen habe: Auch im Servicebereich gebe es zu wenig Personal, aber auch bei den Rechtspflegerinnen und Rechtspflegern. Dazu kommen Massenverfahren und zunehmend komplexe Gesetze, Lebenssachverhalte und Verfahren – mit denen auch der Aktenumfang zunimmt. Welche Einsatzbereiche vorstellbar sind, und wo bereits Lösungen getestet werden, stellte Biallaß in ihrem Vortrag vor:

  • Metadatenextraktion: Pilotiert durch das vom Ministerium der Justiz gegründete Projekt SMART.
  • Anonymisierung von Entscheidungen – ein wichtiger Baustein, um mehr Entscheidungen veröffentlichen zu können: Erste Schritte wurden gemacht durch das Forschungsprojekt AnGer sowie das gemeinsame Projekt Baden Württembergs und Hessens „JANO".
  • KI-gestützte Entscheidungsfindung – vorstellbar z. B. in Dieselverfahren: Das Strukturierungs- und Durchsuchungstool Codefy wird an mehreren Landgerichten getestet.
  • eDiscovery – z. B. zur Auswertung von Kindesmissbrauchsdarstellungen: Projekt ZAC-AIRA in NRW
  • Generatives Sprachmodell für die Justiz (GSJ): NRW und Bayern erproben gemeinsam ein juristisches Sprachmodell.

Mit KI Content für die Kanzlei erstellen

Am zweiten Tag des Zukunftsforums zeigte Kanzleimarketing-Experte Alessandro Corominas auf, welche Tools Kanzleien derzeit für die Mandatsakquise und Content-Erstellung zur Verfügung stehen. Hier ein Überblick:

Hilfreiche Tools zur Content-Erstellung

  • ChatGPT: Der Klassiker – frei zugänglicher Chatbot, der neue Möglichkeiten bei der automatischen Erstellung von Texten bietet.
  • Jasper AI: KI-Textgenerator, der Marketing- und Vertriebsteams unterstützt und Texte in 25 Sprachen erstellen kann.
  • Neuronwriter: SEO-Tool zur Content-Erstellung, das KI nutzt, um Impulse und Ideen beim Schreiben zu liefern.
  • neuroFlash: DSGVO-konforme Plattform, mit der man u. a. Persönlichkeiten erschaffen kann, die die Tonalität und den Schreibstil eines Mitarbeitenden nachahmen können.
Abb. 2: Hilfreiche KI-Tools zur Content Erstellung

Wenn es um die Frage geht, wie Kanzleien Mandate gewinnen können, sollten diese laut Corominas nicht nur Google Ads und LinkedIn Ads im Blick haben, sondern auch Bing Ads nicht unterschätzen (die Suchmaschine hat immerhin einen Marktanteil von 3,2 Prozent).

Fazit: Alle Zeichen weisen in Richtung KI

Das Schweitzer Zukunftsforum hat eindrücklich gezeigt, dass Innovationen und Investitionen im Bereich Legal Tech mittlerweile absolut KI-zentriert sind. Ob in der Justiz oder zur Erleichterung der täglichen Arbeit in der Kanzlei: Wo sich Fragen und Prozesse wiederholen, lohnt es sich, über einen Einsatz nachzudenken – nicht zuletzt, damit Rechtsprofis mehr Zeit für die Lösung komplexer Probleme haben.

Bilder: Schweitzer Fachinformationen, Patrick Prior, Alessandro Corominas
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