Harvey II mit Memory-Funktion für Anwältinnen und Anwälte

Harvey bekommt ein Gedächtnis: Neue Memory-Funktion merkt sich die Arbeitsweise von Anwält:innen

Mit Harvey II stellt der Legal-AI-Anbieter die nächste Generation seiner Plattform vor. Im Mittelpunkt steht die neue Memory-Funktion: Sie soll sich individuelle Arbeitsweisen von Anwält:innen merken und diese künftig automatisch bei neuen Aufgaben berücksichtigen.

Wer regelmäßig mit generativer KI arbeitet, kennt das Problem: Gewünschter Schreibstil, Aufbau, Zitierweise oder Detailgrad müssen bei neuen Aufgaben häufig erneut erklärt werden. Mit Harvey II will der Legal-AI-Anbieter dieses Problem nun angehen. Herzstück der neuen Plattformgeneration ist die Funktion Memory, mit der sich Harvey individuelle Präferenzen von Anwält:innen dauerhaft merken soll.

Erst kürzlich berichtete legal-tech.de darüber, welche Erfahrungen die Kanzlei HEUKING nach mittlerweile zwei Jahren mit Harvey gemacht hat. Nun entwickelt der Anbieter seine Plattform insbesondere in Richtung Personalisierung und stärker kontextbezogener Arbeitsabläufe weiter.

Schreibstil und Arbeitsweise nicht immer neu erklären

Memory soll unter anderem berücksichtigen, wie einzelne Anwält:innen Texte strukturieren, welchen Tonfall sie bevorzugen, wie sie zitieren oder welchen Detailgrad sie bei Antworten erwarten. Diese Vorgaben müssen dann nicht für jeden neuen Prompt erneut formuliert werden.

Die gespeicherten Präferenzen sollen nach Angaben von Harvey nicht nur innerhalb der eigenen Plattform, sondern auch bei der Arbeit mit Word, Outlook und KI-Agenten berücksichtigt werden können.

Nutzer:innen können einsehen, welche Informationen Harvey gespeichert hat, diese verändern oder die Memory-Funktion abschalten. Nach Angaben des Unternehmens werden die gespeicherten Inhalte nicht für das Training von KI-Modellen verwendet.

Memory soll schrittweise ausgebaut werden

Harvey plant die Einführung der neuen Funktion in drei Stufen. In der derzeitigen Early-Access-Phase steht zunächst die persönliche Ebene im Mittelpunkt: Harvey merkt sich die individuellen Arbeitsweisen einzelner Nutzer:innen.

In einem zweiten Schritt sollen auch Informationen und Vorgaben innerhalb bestimmter Mandate oder Arbeitsbereiche gemeinsam genutzt werden können. Später soll Memory auf die Organisationsebene ausgeweitet werden. Kanzleien und Rechtsabteilungen könnten dann beispielsweise übergreifende Arbeitsweisen und Standards hinterlegen.

Gleichzeitig sollen vertrauliche Informationen weiterhin innerhalb der jeweiligen Mandate, Teams und Berechtigungsstrukturen verbleiben.

Spaces sollen den Mandatskontext liefern

Neben Memory führt Harvey mit Spaces fall- oder projektbezogene Arbeitsbereiche ein. Dort können Dokumente, Aufgaben, Berechtigungen und Arbeitsverläufe zusammengeführt werden.

Die Idee dahinter: Während Memory weiß, wie eine Anwältin oder ein Anwalt bevorzugt arbeitet, kennt ein Space den Kontext des jeweiligen Mandats oder Projekts. KI-Agenten sollen beide Informationen miteinander verbinden und dadurch komplexere Aufgaben bearbeiten können, ohne dass Nutzer:innen jedes Mal sämtliche Rahmenbedingungen neu vorgeben müssen.

Harvey spricht in diesem Zusammenhang außerdem von intelligenteren Agenten und einem insgesamt überarbeiteten Produkterlebnis.

Entwicklung gemeinsam mit Kanzleien und Rechtsabteilungen

An der Entwicklung der Memory-Funktion waren nach Angaben von Harvey internationale Kanzleien und Rechtsabteilungen beteiligt. In den vergangenen sechs Monaten arbeitete das Unternehmen mit Designpartnern aus den USA, Großbritannien, Europa, dem Nahen Osten und dem asiatisch-pazifischen Raum zusammen.

Dabei ging es insbesondere um die Fragen, welche Informationen sich das System merken sollte, wie diese verwendet werden dürfen und wo Grenzen zwischen einzelnen Nutzer:innen, Mandaten und Organisationen gezogen werden müssen.

Harvey gibt an, inzwischen von rund 100.000 Anwält:innen bei 2.400 Kanzleien weltweit genutzt zu werden. Insgesamt zählt das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 2.400 Kunden in über 70 Ländern.

Über Harvey
Harvey entwickelt KI-Lösungen für Kanzleien und Rechtsabteilungen, unter anderem für Vertragsanalyse, Due Diligence, Compliance und Litigation. Nach eigenen Angaben wird die Plattform von rund 100.000 Anwält:innen weltweit genutzt.

Weitere Informationen zu Harvey II: harvey.ai(opens in new tab)

Mehr zum praktischen Einsatz von Harvey: Zwei Jahre Harvey bei HEUKING: Erfahrungen mit Legal AI in der Kanzlei

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